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Energieaudits und das Energiedienstleistungsgesetz

Ziele definieren und Steuern sparen

Ein Energieaudit ist kein Energiecontrolling im eigentlichen Sinne. Bei einem Audit werden der energietechnische Ist-Zustand des Unternehmens erfasst, die wesentlichen Energieverbraucher benannt und ein Ziel für die Zukunft definiert. Es ist also erstmal nur eine Momentaufnahme. Üblicherweise wird in regelmäßigen Abständen überprüft, in wie weit die selbst gesteckten Ziele erreicht wurden und was noch zu tun ist.

Auditpflicht für nicht-KMU

Auf Grundlage des Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G) mussten bis spätestens 05. Dezember 2015 alle Unternehmen in Deutschland, die keine kleinen oder mittleren Unternehmen (KMU) sind, ein erstmaliges Audit nach DIN EN 16247-1 durchführen und müssen dieses alle 4 Jahre wiederholen. Ausgenommen sind Unternehmen, die bereits ein Energiemenagementsystem nach ISO 50001 » oder das entsprechend ergänzte Umweltmanagementsystem EMAS » betreiben.

NEU: Bagatellgrenze ab Ende 2019

Voraussichtlich ab Oktober 2019 müssen energieauditpflichtige Unternehmen mit einem Gesamtenergieverbrauch über alle Energieträger hinweg von 500.000 kWh oder weniger im Jahr statt eines vollumfänglichen Energieaudits lediglich ausgewählte Basisdaten zu ihrem Energieverbrauch und ihren Energiekosten über eine Onlinemaske an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) melden.

weitere vorgesehene Neuerungen (die Verabschiedung des Gesetzesnovelle wird voraussichtlich im Oktober 2019 erfolgen):

  • regelmäßige Fortbildungspflicht für Energieauditoren zur Qualitätsverbesserung der Energieaudits

  • Online-Meldung auch für Unternehmen mit einem Energieverbrauch oberhalb der neuen Bagatellverbrauchsschwelle zur Verbesserung der Vollzugstransparenz

  • großzügige Übergangsfristen für Fortbildung und Abgabe der Online-Meldung

Vorteile für kleine und mittlere Unternehmen

Obwohl KMU gar kein Energieaudit durchführen müssen, kann das vorteilhaft sein. Zum einen ergänzen sich Audit und Controlling sinnvoll. Aufgrund der im Audit erfassten Daten und der gesteckten Ziele kann ein Controlling bzw. ein Managementsystem aufgebaut und das Erreichen der Ziele verfolgt werden.

Zum anderen erlangen KMU erst durch ein freiwilliges Audit Anspruch auf steuerliche Vorteile in Form der gesetzlichen Ausgleichsregelungen im Rahmen des EEG (§§ 63 ff EEG 2014) oder beim Spitzenausgleich (§ 55 Energie- bzw. § 10 Stromsteuergesetz).

Besonderheiten bei öffentlichen Betrieben

Leider ist die Definition eines KMU » nicht immer ganz einfach. So sind öffentliche Betrieben unabhängig von Umsatz oder Anzahl der Beschäftigten keine KMU. Hier stellt sich dann die Frage, ob diese überhaupt ein Unternehmen sind. Wirtschaftlich tätige öffentliche Betriebe sind auditpflichtig, hochheitlich tätige oder Regiebetriebe hingegen sind im Sinne des Begriffs gar kein Unternehmen und unterliegen somit auch nicht der Auditpflicht. Das lässt sich zum Beispiel aus dem §4 des Körperschaftsgesetz » ableiten. Auch das Merkblatt für Energieaudits » des BAFA hat in der aktuellen Fassung ausführliche Erläuterungen zum Unternehmensbegriff (Seite 6 ff.).

Videoreihe zum Energiedienstleistungsgesetz

Noch immer ergeben sich neue Fragen zu der Anwendung und der Umsetzung der Energieauditpflicht. Daher hat das BAFA eine aktualisierte Fassung des entsprechenden Merkblatts veröffentlicht.

Zusätzlich hat die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen KEAN eine 5-teilige Videoreihe erstellt, die erklärt, welche Unternehmen vom EDL-G betroffen sind.

Beides finden Sie auf der Unterseite links und downloads.