Titelbild klimaplus-unternehmen.de - blauer Himmel mit Logo
14.10.2020

Studie belegt: CO2-neutral bis 2035 ist möglich

Kann Deutschland seinen Anteil am 1,5°C-Ziel des Pariser Klimaabkommens noch schaffen und wenn ja, mit welchen Maßnahmen? Diese Fragen hat das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie im Auftrag von Fridays for Future Deutschland in einer Studie untersucht, die mit finanzieller Unterstützung der GLS Bank ermöglicht wurde.


Deutschland kann bis 2035 CO2-neutral sein - große Anstrengungen notwendig

Warum 2035 statt wie bisher von der Bundesregierung geplant 2050? Diese früher als bisher angestrebte Treibhausgasneutralität ist notwendig, damit Deutschland das ihm zur Verfügung stehende 1,5-°C-Emissionsbudget einhalten kann. Maßnahmen zur Verringerung von Emissionen müssen deshalb sehr viel schneller umgesetzt werden als bisher angenommen. Das erfordert zwar große Anstrengungen, ist aber machbar, meinen die Wissenschaftler*innen. Das » Wuppertal Institut legt seinen Berechnungen die Annahme des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) zugrunde, dass die Pro-Kopf-Emissionen weltweit gleich verteilt werden und Deutschland keinen überproportionalen Anteil beanspruchen darf. Für Deutschland sind das 4.200 Millionen Tonnen. Mit den von der Politik bisher geplanten Maßnahmen würde Deutschland bis 2050 10.300 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Damit sind die Klimaziele der Bundesregierung nicht vereinbar mit einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 °C, auch nicht auf 2 °C.

Das CO2-Budget

Laut dem Weltklimarat IPCC darf die Menschheit insgesamt noch 580 Gigatonnen CO₂ ausstoßen, um die Erderwärmung mit einer 50-prozentigen Chance noch auf 1,5° Celsius begrenzen zu können. Da Deutschland etwa 1,2 Prozent der Weltbevölkerung hat, stehen uns deshalb noch 4,2 Gigatonnen zur Verfügung. Derzeit stößt Deutschland jedes Jahr rund 0,8 Gigatonnen CO₂ aus - pro Kopf etwa das Doppelte des weltweiten Durchschnitts. Wenn sich also an den derzeitigen Emissionen nichts ändert, müssten Anfang 2026 schlagartig alle Emissionen auf Null runtergefahren werden, was natürlich nicht sinnvoll machbar ist. Was ein gangbarer Weg wäre, haben die Forschenden des Wuppertal Institut benannt und sich dabei auf folgende Schwerpunkte fokussiert.

Die Maßnahmen im Einzelnen

Energiewirtschaft

  • die Ausbauziele von Wind- und Solarenergie mehr als eine verdoppeln
  • 70 bis 90 Gigawatt an installierter Elektrolyse-Leistung für die Erzeugung von grünem Wasserstoff bis 2035 – stattt lediglich 10 Gigawatt wie bislang geplant

Industrie

  • neue energieintensive Anlagen ab sofort nur noch auf nicht-fossiler Basis
  • bestehende Anlagen bis 2035 umstellen
  • Errichtung eines Wasserstoff-Pipelinenetzes innerhalb weniger Jahre
  • schnelle und deutliche Steigerung des CO2-Preises
  • Maßnahmen zur Vermeidung der Verlagerung von CO2-intensiven Produktionsverfahren in Länder mit weniger strengen Klimaschutzvorgaben

Verkehr

  • Konsequente Maßnahmen für Verkehrsvermeidung und -verlagerung
  • Beschleunigte Einführung alternativer Antriebe, vor allem Elektro-Pkw
  • Signifikant höhere CO2-Preise auf fossile Kraftstoffe als zentrales Anreizinstrument
  • Abschaffung klimaschädlicher Subventionen wie Steuerbefreiung von Flugbenzin, Dieselprivileg, Dienstwagenprivileg, Subventionen für Regionalflughäfen etc.

Gebäudebereich

  • Steigerung der energetischen Sanierungsrate von rund 1 Prozent auf etwa 4 Prozent pro Jahr
  • keine neuen fossile Heizungen mehr

wie und warum?

In der Studie wird auch erläutert, warum diese Maßnahmen in den genannten Umfängen und Zeiträumen notwendig sind, ebenso wie die Maßnahmen grundsätzlich umsetzbar sind. Nachzulesen hier:

» Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (Pressemitteilung mit weiteren links zu Kurz- und Langfassung der Studie)

» "Deutschland müsste schon in 15 Jahren CO₂-frei sein" (Artikel auf Spiegel-online zu der Studie)