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22.08.2019

Weltgrößter E-LKW fährt nahezu autark

Das rein elektrische Plus-Energie-Fahrzeug muss nur selten geladen werden. Pro Jahr spart es 50.000 Liter Diesel und sollte ursprünglich sogar überschüssigen Strom in das Netz einspeisen.


Ein LKW, der nicht nur keinen Sprit braucht, sondern auch noch Strom erzeugt - was unglaublich klingt, hat einen ganz einfachen Grund. Möglich macht es das spezielle Nutzungsprofil. Der eDumper No. 1 genannte Elektro-Muldenkipper - nach Angaben des schweizer Herstellers eMining AG mit über 110 Tonnen Gesamtgewicht das weltgrößte Elektrofahrzeug - bringt mehrmals täglich jeweils 65 Tonnen Gestein aus einem Steinbruch in den Bergen zu einer tiefer gelegenen Entladestation. Das Prinzip kennen manche noch aus dem Physikunterricht. Der LKW wird anstatt mit Diesel oder Strom mit potentieller Energie (dem Gewicht der Ladung am höchsten Punkt der Strecke) geladen. Während herkömmliche Bremsen während der Bergabfahrt diese Energie nutzlos in Abwärme verpuffen lassen, wird hier durch Rekuperation, also der Rückgewinnung der Bremsenergie durch die Elektromotoren, Strom erzeugt und in der 700 kWh großen Bordbatterie gespeichert. Eine Energiemenge, die mehr als ausreicht um die anschließende Leerfahrt bergauf anzutreiben. Ursprünglich sollten sogar jährlich bis zu 77.000 kWh überschüssiger Strom in das Stromnetz eingespeist werden - eine Menge die theoretisch ausreicht, um 22 Haushalte zu versorgen.

Nach etwa einem Jahr Praxisbetrieb hat sich gezeigt, dass diese sehr ambitionierten Erwartungen so nicht gehalten werden können. Der eDumper musste aufgrund widriger Umstände - zum Beispiel im Winterbetrieb mit Schneeketten - gelegentlich nachgeladen werden. Eingespeist wurde bislang (noch) nicht. Das Pilotprojet ist dennoch ein Erfolg: Das riesige Fahrzeug fährt nahezu autark und spart im Laufe von 10 Jahren rund 500.000 Liter Diesel bzw. 1.300 Tonnen CO2 ein. Dabei benötigt es kaum externen Strom. Durch den weitgehenden Entfall an Treibstoffkosten und die wesentlich geringeren Wartungskosten soll das Fahrzeug trotz des hohen Prototypenpreises am Ende wirtschaftlicher sein als ein konventioneller Dumper dieser Größe.

Kleiner Wermutstropfen: Leider muss bei den meisten Steinbrüchen das Material eher von unten nach oben transportiert werden. Den Bedarf an solchen eDumpern schätzt der Hersteller auf ein bis zwei Fahrzeuge pro Jahr. Weitere Informationen finden Sie auf www.edumper.ch. »

 

Nachgefragt: Wie werden aus 420 Tonnen Diesel (also 500.000 Liter) 1.300 t CO2?

Wundersame Vermehrung, Alchimie oder Beweis der Klimaverschwörung? Die Antwort ist ganz einfache Chemie: Der im Diesel enthaltene Kohlenstoff (C) reagiert bei der Verbrennung mit dem Luftsauerstoff (O) zu CO2. Dabei binden sich an jedes C-Atom aus dem Diesel 2 O-Atome aus der Luft (also C+O+O). Da Sauerstoffatome überdies wesentlich schwerer sind als Kohlenstoffatome, entsteht bei der Verbrennung von Diesel gewichtsbezogen mehr als die 3-fache Menge an CO2. Im Prinzip gilt das Gleiche auch für zum Beispiel Benzin, Erdgas, Kohle, Holz etc.. CO2 ist also kein im Brennstoff bereits enthaltener Verbrennungsrückstand, sondern wird bei der Verbrennung erst hergestellt.